Gedenkkultur Dessau-Roßlau

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Dankesgrüße aus Israel

Am 28. Oktober wurden vor dem Haus Medicusstraße 6 der 35. und 36. Stolperstein in Dessau-Roßlau verlegt. Hier hatte die jüdische Familie Kanstein gewohnt, bis sie aus Dessau vertrieben wurde und nach Leipzig zog. Das Ehepaar wurde dort 1941 verhaftet. Siegfried Kanstein starb am 29. Mai 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen, Käthe Kanstein wurde am 10. Juni 1942 in der Tötungsanstalt Bernburg durch Gas ermordet.

Zur Familie gehörten auch zwei Kinder: der Sohn Fritz war 1920 geboren, die Tochter Lotte 1925. Was aus Fritz und Lotte Kanstein geworden war, blieb uns lange Zeit unbekannt, bis wir vor wenigen Monaten einen helfenden Hinweis bekamen. Wir erhielten Verbindung zu Frau Rachel Doron, einer treuen Freundin dieser beiden Kansteins. Sie lernte Lotte kennen, nachdem sie 1940 nach Palästina eingereist war, und teilte mit ihr fortan alle Freuden und Leiden. „Unsere Wege gingen all die Jahre parallel“, schrieb sie in dem Brief, in dem sie das Schicksal von Fritz und Lotte (in Israel „Fred“ und „Ora“) Kanstein beschrieb.

Beide sind inzwischen verstorben. Doch Rachel Doron übermittelte uns auch ein Schreiben von Mosche Moschkowic, dem heute 85jährigen Witwer, mit ihm war Lotte geb. Kanstein verheiratet:

„…Ja, ich bin sehr froh, dass Stolpersteine zum Andenken der Familie Kanstein verlegt werden, und finde es richtig, dass dies in Dessau geschieht. Die Familie lebte ja vor Aalem in Dessau, auch wenn die Deportation von Leipzig ausging, wo sie später wohnten.

Wir bedauern und betrauern das grausame Schicksal unserer Familie zusammen mit dem Schicksal der Juden, die deutsche Bürger waren und unsägliche Leiden und Vernichtung in Konzentrationslagern erfuhren.

Aber ich kann stolz sein, Ihnen erzählen zu können, dass heute – mehr als 60 Jahre nach dieser unglücklichen Zeit, die Nachkommen der Vertriebenen und Ermordeten ihre Heimat im Lande Israel haben, glückliche Familien gegründet haben und heute mehr als 50 Nachkommen zählen, Kinder, Enkel und Urenkel von Ora und Fred, die keine Großeltern hatten und sie immer vermissten..

Wir wissen sehr wohl die großen Anstrengungen, die Sie machen , um ein ehrwürdiges Andenken an die Umgekommenen zu erstellen, zu würdigen, und sind in der Hoffnung, dass im Laufe der Zeit Familienmitglieder die Stellen der Erinnerung in Ihrer Stadt besuchen werden…“

Beide Briefe haben wir bei der Verlegung verlesen und einen Bericht mit Fotos für die Familie an Rachel Doron gesandt.

Nun erhielten wir von ihr Dankesgrüße aus Israel:

„Ich möchte Ihnen erzählen, dass ich, wie geplant, bei dem Familientreffen der Familie Moschkowic war (Es war gerade der 10. November – ein Datum, das uns noch in den Knochen liegt – ich war in der Kristallnacht noch in Berlin.) Ich konnte vor Allem der jungen Generation vom Projekt Stolpersteine erzählen. Sie alle waren tief beeindruckt von der so würdigen Feier, die Sie veranstaltet haben – ich brachte ja die Bilder mit und las Ihren so ans Herz gehenden Brief vor (ich hatte Alles ins Ivrit übersetzt). Die Informationen, die Sie über die Familie heraus fanden, war allen vollständig neu, und sie waren erstaunt, wie Sie das alles herausfinden konnten. Ein Jammer, das Lotte-Ora selbst es nicht erleben konnte. So möchte ich mich nochmals bei Ihnen bedanken – Sie haben ein großes Verdienst, das man nicht genug würdigen kann, und die ganze Stadt Dessau ist zu ehren für ihre Arbeit zum Gedenken an ihre ehemaligen jüdischen Einwohner“…