Gedenkkultur Dessau-Roßlau

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Dr. Isidor Walter

  • Geburtsdatum: 12.5.1872 in Neustettin (heute: Szczecinek)
  • Deportationsdatum: 28.7.1942 nach Theresienstadt
  • Todesdatum: 2.4.1943 im Lager Theresienstadt
  • letzte freigewählte Dessauer Wohnadresse: Auf dem Sande 9/10 (heute: Kantorstraße 3)

Der aus Neustettin stammende Dr. Isidor Walter, ein Absolvent der liberalen Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, leitete ab 1900 das religiöse Leben der Dessauer und der anhaltischen Juden sowie den Dessauer jüdischen Religionsunterricht. In der Anhalt-Loge des jüdischen Unabhängigen Ordens B‘nai B‘rith war er einer der Vorsteher. Im Rahmen der Feiern zum 200. Geburtstag von Moses Mendelssohn hielt Dr. Isidor Walter am 6. September 1929 in der Dessauer Synagoge die Festpredigt (zu lesen in Holger Brülls:_ Synagogen in Sachsen-Anhalt, Berlin 1998, im Bestand der Anhaltischen Landesbücherei Dessau/Palais Dietrich). Von 1925 bis 1934 gab er das „Jüdische Gemeindeblatt für Anhalt und Umgegend“ heraus. Gegen den rassischen Antisemitismus der NSDAP-geführten Landesregierung wandte er sich am 14. September 1932 mit einem eindringlichen, die Emanzipation des deutschen Judentums verteidigenden Aufsatz im Volksblatt für Anhalt. 1933 von der NSDAP-geführten Landesregierung als Landesrabbiner entlassen, übte er diese Funktion danach im Auftrag des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden Anhalts aus. Im Novemberpogrom 1938 wurde Dr. Walter verhaftet und ins Lager Buchenwald gesperrt. Danach zog er mit seiner Frau nach Berlin. Beide wurden im Juli 1942 von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Dr. Isidor Walter starb am 2. April 1943 in Theresienstadt.

Die beiden Kinder Ernst und Edith emigrierten nach Palästina .Edith Walter war Absolventin der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Ernst Walter konnte noch im März 1934 an der Universität Halle eine Doktorarbeit zum Thema „Die Rechtsstellung der Israelitischen Kultusgemeinde in Anhalt“ verteidigen.