Emanuel Reisin war im August 1914 als russischer Soldat in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und nach Kriegsende in Deutschland geblieben. Er gründete 1920 in Roßlau eine Familie und wohnte mit seiner Frau Margarete und seiner Tochter Edith (geb. 1922) in der Mörikestraße 12. Nach Beschäftigungen in der Landwirtschaft und in Industriebetrieben fand Emanuel Reisin 1928 eine feste Anstellung als Vertreter bei der Firma Singer in Dessau. Im Zuge der „Entjudung“ der deutschen Wirtschaft wurde er Anfang Oktober 1938 wegen seiner jüdischen Abstammung entlassen.
Eine Auswanderungsabsicht – 1939 in die USA – konnte die Familie nicht verwirklichen. Zunächst durch die Ehe mit einer „Arierin“ vor Deportation geschützt, wurde Emanuel Reisen im Januar 1944 ins Lager Theresienstadt deportiert. Von dort gelangte er Ende September 1944 mit einem der gefürchteten Transporte in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Sein genaues Todesdatum sowie die Schicksale seiner Frau Margarete und seiner Tochter Edith sind nicht bekannt.