Mayer Reich kam im Alter von 22 Jahren in die anhaltische Haupt- und Residenzstadt Dessau. Hier lebte er zunächst in der Wallstraße 32. Im Dessauer Adressbuch von 1904 ist er erstmals als Inhaber eines Schuhwarengeschäfts im Haus Zerbster Straße 41 verzeichnet. 1907, kurz nach seiner Hochzeit mit Selma Frank, erwarb Mayer Reich dieses traditionsreiche Gebäude, den ehemaligen Gasthof „Goldener Ring“. Das Ehepaar baute sein Geschäft zu einem großen und modernen Schuhwarenhaus aus. Die antijüdische Politik der Nationalsozialisten bekam das Ehepaar erstmals am „Boykott-Tag“ des 1. April 1933 zu spüren. Während des Pogroms am 9. und 10. November 1938 wurde das Geschäft verwüstet und geplündert. Mayer Reich wurde verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Seiner ganzen Familie wurde im März 1939 die anhaltische Staatsbürgerschaft aberkannt. Im August 1939 emigrierten Selma und Mayer Reich unter erheblichen finanziellen Einbußen als staatenlose Flüchtlinge zu ihrer Tochter nach Paris. Im von deutschen Truppen besetzten Frankreich wurden sie als „Volljuden“ verhaftet und ins Durchgangslager Drancy gesperrt. Von dort wurden sie am 2.3.1943 nach Auschwitz deportiert. In Auschwitz-Birkenau oder auf dem Transport dorthin endete das Leben von Mayer Reich.