Die Eheleute Otto und Rahel Potzernheim kamen im Jahre 1904 nach Dessau. Schon im Adressbuch 1905 wird Otto Potzernheim als Kaufmann und Teilhaber der Firma Gebr. Potzernheim (Manufaktur- und Modewaren) in der Wallstraße 34 erwähnt. Er betrieb diese Firma zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Max Potzernheim, der sich 1907 mit einer eigenen Textilwarenhandlung selbstständig machte. Im gleichen Jahr 1907 verlegte Otto Potzernheim sein Manufakturgeschäft und seine Wohnung in die Zerbster Straße 56. Weitere Geschäfts- und Wohnadressen des Ehepaars Potzernheim waren in den nächsten Jahren die Zerbster Straße 22, der Askanische Platz 23, die Luisenstraße 16 und schließlich ab 1928 das Haus Neumarkt 10/11, wo Potzernheims einen Großhandel für Seifen und Textilwaren betrieben. Otto Potzernheim engagierte sich zugleich für die Belange der Israelitischen Kultusgemeinde, war langjähriges Mitglied der Beerdigungsbruderschaft (Chewra kadischa) und des Gemeindevorstands. 1939 wurde er letzter Vorsteher der Kultusgemeinde. Seinen engen Handlungsspielraum nutzte er zur Milderung des Leids und der Not der Gemeindemitglieder. Mit einem Sammeltransport wurde der „Volljude“ Otto Potzernheim gemeinsam mit seiner Frau und weiteren jüdischen Mitbürgern am 18.11.1942 ins Ghetto Theresienstadt transportiert. Schon am nächsten Tag verstarb Otto Potzernheim, im 68. Lebensjahr stehend, in Theresienstadt.