Siegfried Kanstein war ein Dessauer jüdischer Kaufmann. Mit seiner Ehefrau Käthe, geb. Leyv hatte er zwei Kinder: den Sohn Fritz (ca. 1921-1966) und die Tochter Lotte (1925-1975). Fritz konnte 1934 in Dessau Bar Mizwa feiern. Siegfried Kanstein war engagiertes Mitglied und zeitweilig Präsident der Anhalt-Loge des jüdischen Ordens B‘nai B‘rith. Zu seinem 50. Geburtstag heißt es in einem Glückwunsch im „Jüdischen Gemeindeblatt für Anhalt und Umgegend“: „Möge Herr Kanstein, der (…) sich in weiten Kreisen von Gemeinde und Stadt großer Wertschätzung erfreut, noch eine lange Reihe von Jahren in ungetrübter Gesundheit und Regsamkeit inmitten seiner Familie beschieden sein!“ 1938 zog die Familie von Dessau nach Leipzig. Dort wurden Siegfried und Käthe Kanstein 1941 wegen „Devisenvergehens“ verhaftet. Siegfried Kanstein wurde vom Sondergericht Leipzig am 29.4.1941 zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und am 2.7.1941 nach Sachsenhausen deportiert, wo er am 29.5.1942 umgekommen ist. Seine Frau Käthe wurde wenige Wochen später in der Tötungsanstalt Bernburg umgebracht. Die beiden Kinder überlebten das NS-Regime. Der Sohn Fritz, der 1938/39 in Dänemark eine landwirtschaftliche Ausbildung absolvierte, emigrierte nach England, diente in der britischen Armee und änderte seinen Namen in Fred Kane. 1948 ging er nach Israel, 1966 starb er an Leukämie. Die Tochter Lotte besuchte 1939 in der Lausitz ein „Hachschara“-Lager zur Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina. Ab 1940 lebte sie in Palästina bzw. Israel und nannte sich mit hebräischem Namen Ora. Sie gehörte zu den Mitbegründern des Kibbuz Massuot Jizchak, heiratete 1945 Mosche Moszkovic aus Pressburg und hatte zwei Töchter und einen Sohn. Sie starb 1975 an Krebs. Mittlerweile gibt es von ihr 14 Enkel und viele Urenkel.