Gedenkkultur Dessau-Roßlau
1932
- 11. Januar
- Bei den Gemeindewahlen in Lippe (Westfalen) wird die NSDAP mit 31,4% der Stimmen stärkste Partei.
- 15. Februar
- Nach Angaben des Reichsarbeitsministeriums sind in Deutschland 6,1 Millionen Menschen arbeitslos. Jeder dritte Arbeitnehmer ist damit ohne Beschäftigung. Reichspräsident Hindenburg erklärt seine Bereitschaft zu einer erneuten Kandidatur bei den Reichspräsidentenwahlen im März. In Dessau findet eine erste Massenkundgebung der „Eisernen Front“ statt. Hauptredner ist Gerhart Seger (SPD).
- 27. Februar
- Die SPD ruft ihre Mitglieder auf, bei der Reichspräsidentenwahl für Hindenburg zu stimmen.
- Februar/März
- Der Anhaltische Kunstverein zeigt eine Ausstellung mit Werken von Karl Schmidt-Rottluff.
- 22. März
- Die Junkers-Werke, Dessaus größter Arbeitgeber, müssen ihre Zahlungsunfähigkeit erklären.
- 1. April
- Das Sommersemester beginnt am Bauhaus. Eingeschrieben sind 168 Studierende, darunter 33 Ausländer.
- 8. April
- Der SPD-Vorsitzende Otto Wels (1873-1939) spricht auf einer antifaschistischen Kundgebung im Dessauer „Tivoli“.
- 10. April
- Bei der Reichspräsidentenwahl siegt Hindenburg im zweiten Wahlgang mit 53% der Stimmen. Hitler kommt auf 36,8%, Thälmann auf 10,2% der Stimmen. In Dessau siegt Hindenburg (27.856 Stimmen) vor Hitler (22.410 Stimmen).
- 17. April – 17. Mai
- Der Anhaltische Kunstverein zeigt eine Ausstellung von Max Liebermann.
- 24. April
- Bei den Landtagswahlen in Preußen, Bayern, Württemberg und Anhalt sowie den Bürgerschaftswahlen in Hamburg kommt es zu teilweise beträchtlich Stimmengewinnen der NSDAP.
Aus den Wahlen zum 5. Anhaltischen Landtag geht die NSDAP als stärkste Partei hervor. Die neue Sitzverteilung im Landtag ist: NSDAP 15 Sitze, SPD 12, KPD 3, DNVP und Stahlhelm 2, Anhaltischer Haus- und Grundbesitz 1, Deutsche Staatspartei 1 Sitz.
- 1. Mai
- In mehreren deutschen Großstädten kommt es während der Maifeiern zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten.
- 7. Mai
- Die Junkers Flugzeugwerke in Dessau werden vorübergehend stillgelegt. 850 Arbeiter müssen entlassen werden.
- 21. Mai
- Der Landtag von Anhalt wählt den Nationalsozialisten Alfred Freyberg (1892-1945) zum neuen Ministerpräsidenten, an der Spitze einer Koalition aus NSDAP, DNVP und DVP. Freyberg ist der erste NSDAP-Ministerpräsident eines deutschen Reichslandes.
- 29. Mai
- Bei den Landtagswahlen in Oldenburg erringt die NSDAP die absolute Mehrheit.
- 31. Mai
- Der neue Reichskanzler Franz von Papen (1879-1969) bildet ein konservatives Präsidialkabinett.
- 15. Juni
- Zum Ende der Spielzeit verlässt Hanns Schulz-Dornburg Dessau auf eigenen Wunsch Dessau. In seiner dreijährigen Tätigkeit ist es ihm gelungen, das Friedrich-Theater nicht nur auf seiner bekannten künstlerischen Höhe zu halten, sondern auch, trotz der schweren finanziellen Verhältnisse, das Personal ohne Abbau in seiner Gesamtheit zu erhalten.
- 16. Juni
- In Lausanne beginnt eine internationale Konferenz zur Regelung der Reparationszahlungen. Das Deutsche Reich wird verpflichtet, nur noch eine Abschlusszahlung in Höhe von drei Milliarden Reichsmark zu zahlen.
- 9. Juli
- Das Kinderheim im Schloss Großkühnau wird nach mehr als 10 Jahren auf Anordnung der neuen Landesregierung geschlossen. Die Räumlichkeiten werden dem „Freiwilligen Arbeitsdienst“ übergeben.
- 10. Juli
- In Dessau-Ziebigk wird das Reichsbannermitglied Wilhelm Feuerherdt (1895-1932) durch SA-Schläger tödlich verletzt. Viele Tausende nehmen an Feuerherdts Beisetzung am 13. Juli teil.
- 17. Juli
- Am „Altonaer Blutsonntag“ sterben bei Straßenkämpfen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten 18 Menschen.
- 18. Juli
- Die Reichsregierung erlässt ein Verbot aller Demonstrationen unter freiem Himmel.
- 20. Juli
- Die geschäftsführende preußische Regierung unter Otto Braun (SPD) wird per Notverordnung abgesetzt („Preußenschlag“).
- 23. Juli
- Adolf Hitler redet auf einer Massenkundgebung in der Braunschen Lache bei Dessau.
- 31. Juli
- Bei der Reichstagswahl wird die NSDAP mit 37,4% stärkste Fraktion vor der SPD mit 21,6%. Die Wahl ergibt keine regierungsfähigen Mehrheiten. Die NSDAP stellt mit Hermann Göring den Reichstagspräsidenten.
- 19. August
- In Reaktion auf den zunehmenden Antisemitismus beschließen die Delegierten der in Genf tagenden jüdischen Weltkonferenz die Einrichtung eines ständigen jüdischen Weltkongresses.
- 21. August – 14. September
- Der Anhaltische Kunstverein zeigt die Ausstellung „Form und Farbe“, Arbeiten des Kunstunterrichts verschiedener Lehranstalten.
- 23. August
- Der Dessauer Gemeinderat spricht sich mehrheitlich für die Schließung des Bauhauses aus. Die NSDAP-Mitglieder Paul Hofmann und Richard Harms werden zu Stadträten gewählt.
- September
- Ein von der Regierung Freyberg verordneter rassistischer Schulerlass führt zu öffentlichen Protesten durch „Volksblatt“-Redakteur Gerhart Seger und den anhaltischen Landesrabbiner Dr. Isidor Walter.
- 1. September
- Mit Beginn der Spielzeit 1932/33 wird Heinrich Voigt als Nachfolger von Hanns Schulz-Dornburg zum Intendanten des Friedrich-Theaters berufen. In der Spielzeit 1926/27 war er schon einmal als Oberspielleiter in Dessau, das er zum Ende der Spielzeit 1927/28 verließ und nach Braunschweig ging. In Braunschweig blieb er bis 1932 als Oberregisseur zunächst im Schauspiel, später auch in der Oper tätig, bis er von der nationalsozialistischen Regierung entlassen wurde.
- 11. September
- Grundsteinlegung für den Bau der neuen Kreuzkirche (Kirchgemeindehaus mit Kindergarten) in der Peterholzstraße. Die feierliche Einweihung findet am 28. Mai 1933 statt.
- 25. September – 1. Januar 1933
- Der Anhaltische Kunstverein zeigt in der Anhaltischen Gemäldegalerie eine große Ausstellung „Anhalt im 30-jährigen Krieg. Zur Wiederkehr des 300. Todestages Gustav Adolfs“.
- 30. September
- Am Dessauer Bauhaus wird der Lehrbetrieb zum Ende des Sommersemesters eingestellt. Das Bauhaus verlässt Dessau. Im Oktober zieht es unter Ludwig Mies van der Rohe in eine stillgelegte Telefonfabrik in Berlin-Steglitz ein.
Auf Antrag der Dessauer Staatsanwaltschaft wird das Bauhaus in Berlin am 11. April 1933 durchsucht und 32 Studierende für ein bis zwei Tage verhaftet.
Ludwig Mies van der Rohe löst mit Zustimmung des Lehrerkollegiums zum Beginn des Wintersemesters 1933 das Dessauer Bauhaus auf.
- Ab 1. Oktober
- In das Bauhausgebäude zieht die Landesfrauenarbeitsschule ein. Später kommen auch die „Gauamtswalterschule der NSDAP“ und das „Gauschulungsamt“ des Gaues Magdeburg-Anhalt in das Bauhausgebäude.
- 6. November
- Bei der Reichstagswahl verliert die NSDAP gegenüber der Wahl im Juli 4,3% der Stimmen. Dennoch bleibt sie mit 33,1% stärkste Partei. Zweitstärkste Partei bleibt die SPD mit 20,4%. In Dessau siegt die NSDAP (21.979 Stimmen) vor der SPD (20.542 Stimmen).
- 3. Dezember
- Reichspräsident Hindenburg ernennt Kurt von Schleicher (1882-1934) zum neuen Reichskanzler.